Einblick

Berufung statt Beruf

Philip Fischbach

Philip Fischbach ist 33 Jahre alt und lebt in Bergisch Gladbach. Von Beruf ist er Altenpfleger im Thomas-Müntzer-Haus in Köln, das sich speziell an Menschen mit gerontopsychiatrischen Diagnosen richtet. Er liebt seinen Beruf und alles, was dazu gehört. Doch das war nicht immer klar. „Hätte man mich früher gefragt, ob ich Altenpfleger werden will – ich hätte direkt nein gesagt!“, sagt er.  

Auf der Suche nach Zufriedenheit

Dass er seine Bestimmung einmal im Seniorenheim finden würde, war für ihn unvorstellbar. „Meine ganze Familie arbeitet in diesem Bereich. Ich wollte immer etwas ganz anderes machen, schon allein aus Rebellion“, schmunzelt er. Nach dem Fachabitur hat er sich in verschiedenen Jobs ausprobiert. „Ich war unzufrieden mit jeder Arbeit, wurde nicht gefordert und habe keine langfristige Perspektive gesehen.“

Im Pflegedienst fand er das, was er zuvor bei seinen Jobs vermisst hatte: „Der Beruf stellt mich einfach zufrieden. Ich werde gefordert, muss flexibel sein. Jeder Tag bringt neue Herausforderungen.“ Für ihn ist sein Beruf nicht einfach nur ein Job – sondern viel mehr eine Berufung. Trotz der vielen Vorurteile, mit denen Altenpfleger zu kämpfen haben. Schlechte Bezahlung, schlechte Arbeitsbedingungen, Schichtdienst – und der altbekannte „Windel-Wechsler“ sind nur ein paar davon. „Die Debatte hat es ja früher schon gegeben. Ich habe mich davon aber nicht beeinflussen lassen“, sagt der 33-Jährige. „Natürlich kann man manche Dinge auch nicht schön reden. Ein Sozialberuf ist immer stressig und man ist nicht jeden Tag um 17 Uhr zu Hause. Die Bezahlung ist auch so eine Sache“, sagt er.

„Der Beruf stellt mich einfach zufrieden. Ich werde gefordert, muss flexibel sein. Jeder Tag bringt neue Herausforderungen.“

Philip Fischbach

Höhen und Tiefen

Besonders in der Altenpflege kommt ein weiterer Punkt hinzu: Das Sterben.  „Das ist für mich immer sehr emotional“, sagt Philip Fischbach. „Einmal habe ich einen Bewohner in seinen letzten Tagen begleitet, damit er nicht alleine ist. Ich saß neben seinem Bett und habe ihm die Hand gehalten. Das ist emotional belastend, aber ich habe es für richtig gehalten und bereue es auch bis heute nicht.“ Solche Ereignisse sind meist über den Feierabend hinaus Bestandteil des Alltages.

Was Philip Fischbach jeden Tag zu neuer Energie antreibt, ist sein Ehrgeiz. „Ich möchte den Menschen ein schönes Leben bei uns bereiten“, sagt er. „Was mich zufriedenstellt, ist, dass ich alten Menschen die Möglichkeit gebe, ihr Leben weiterzuführen.“ Es sind vor allem die positiven Rückmeldungen, die Philip Fischbach ungefiltert von den Bewohnern bekommt. „Wenn ich etwas gut mache bekomme ich direkt eine Belohnung von den Bewohnern – zum Beispiel eine Umarmung.“

„Einmal habe ich einen Bewohner in seinen letzten Tagen begleitet, damit er nicht alleine ist. Ich saß neben seinem Bett und habe ihm die Hand gehalten. Das ist emotional belastend, aber ich habe es für richtig gehalten und bereue es auch bis heute nicht.“

Philip Fischbach

Altenpfleger kann nicht jeder

Für Philip Fischbach gehört mehr zu seinem Beruf, als nur „Händchen halten“ und „Windeln wechseln“. „Man muss unwahrscheinlich sensibel und empathisch sein, um richtig mit den Bewohnern umgehen zu können. Man braucht jede Menge Fingerspitzengefühl. Und das kann man nicht erlernen, das hat man oder nicht“, sagt er. „Nicht jeder ist also für den Beruf des Altenpflegers geeignet, deswegen sind neue Kollegen auch schwer zu finden.“

Wenn man sich aber für den Job des Altenpflegers entscheidet, gibt es viele Möglichkeiten, um weiter aufzusteigen. „Vor ein paar Monaten habe ich die Weiterbildung zur Wohnbereichsleitung begonnen. Ich überlege, nochmal ein Studium anzuhängen“, sagt er.

„Ich will die Menschen zum Nachdenken bringen“

Oft findet er sich den negativen Vorurteilen ausgesetzt, führt Diskussionen über das für und wider, als Altenpfleger zu arbeiten. „Ich will niemanden überreden, diesen Beruf zu ergreifen. Ich will eher Menschen zum Nachdenken bringen, ob der eigene Beruf wirklich einen Sinn hat und einen erfüllt.“ Auch die öffentliche Diskussion, bei der die Politik stets an den Pranger gestellt wird, die Bedingungen für Altenpfleger zu verbessern, ziehen nicht an ihm vorüber. Die Politik fasst für ihn jedoch keinen endgültigen Entschluss, um den Beruf nach außen hin wieder attraktiver zu machen. „Für mich sind die Erneuerungen eher kurzfristig gedacht. Man muss erstmal Ergebnisse sehen, damit auch die Verbesserungen im Job sichtbar werden.“

„Ich will niemanden überreden, diesen Beruf zu ergreifen. Ich will eher Menschen zum Nachdenken bringen, ob der eigene Beruf wirklich einen Sinn hat und einen erfüllt.“

Philip Fischbach

Ein Altenpfleger muss also viel mitbringen: Empathie, starke Nerven und ein dickes Fell, wenn es um das Image des Berufes geht. Trotzdem erfüllt dieser Job Philip Fischbachs Vorstellung eines sinnvollen Berufes. Er sagt: „Ich würde mich immer wieder für diesen Weg entscheiden.“

0 Kommentare zu “Berufung statt Beruf

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.