Einblick

Ohne Wohnung kein Neustart

Wer in Köln eine Wohnung sucht, braucht vor allem eine große Portion Glück und Durchhaltevermögen. Es sei denn, man kennt jemanden, der einen kennt, der demnächst aus seiner Wohnung ausziehen wird. Der Kölner Wohnungsmarkt platzt nämlich aus allen Nähten und die Situation wird sich in den nächsten Jahren noch weiter verschärfen. Laut Prognose der Stadt Köln wird die Bewohnerzahl bis 2040 extrem zunehmen. Dann wird bezahlbarer Wohnraum noch knapper, auch wenn in Köln sogar neue Stadtteile  geplant sind. Besonders dramatisch ist die Wohnungsknappheit für Frauen, die häusliche Gewalt erlebt haben und ganz dringend eine neue Wohnung benötigen. Einer dieser Frauen ist Maria M.*, die bei der Wohnungssuche bisher erfolglos war. Sie sucht nun gemeinsam mit professioneller Unterstützung von Maren Benner, die bei dem Kölner Projekt „Step 2“ arbeitet. Eine große Herausforderung.

Maria M. und ihre drei Kinder im Alter von neun, sechs und einem Jahr sind seit letztem Jahr wohnungslos und suchen dringend eine passende Wohnung in Köln. Bisher erfolglos. Die Familie übernachtet in beengten Verhältnissen bei einer Freundin. Denn in das bisherige Zuhause zu ihrem Ehemann will Maria M. nicht mehr zurück. Die zunehmende häusliche Gewalt, Lügen und Unzuverlässigkeit haben die 39-Jährige in eine ausweglose Situation gebracht. „Ich bin müde“, sagt die 39-Jährige, die schon längst an die Grenzen ihrer Kräfte gekommen ist. Sie leidet unter starken Depressionen. Doch Maria M. hält für ihre Kinder durch, sie geben ihr die nötige Kraft. Und auch ihr Glaube an Gott stärkt sie.

Dabei fing in Deutschland alles so gut an. 2002 verließ sie ihr Heimatland, wo sie viel Leid gesehen und erlebt hat. Mit sechs Jahre wurde sie dort Vollwaise. Die Ankunft in der fremden, neuen Heimat war mit vielen Hoffnungen und Träumen verbunden. Sie wollte schnell die Sprache lernen, einen Job finden und ihr eigenes Geld verdienen. Dann traf Maria M. auf Joshua*. Es war Liebe auf den ersten Blick und schnell war klar, dass sie ein gemeinsames Leben führen wollten. Gemeinsam schmiedeten sie wundervolle Zukunftspläne. 2009 wurden sie zum ersten Mal Eltern. Zwei weitere Kinder folgten.

Ein normales Leben führen

Maria M. unterstützte ihren Mann in jedem Vorhaben, nahm Kredite für seine Geschäftsideen auf, arbeitete dafür durchgehend und kümmerte sich dabei auch immer noch mit viel Herzblut um die Kinder. Zu viele Belastungen für die mehrfache Mutter. „An Weihnachten 2017 bin ich dann zusammengebrochen. Ich habe soviel geweint. Es ging einfach nicht mehr“, erinnert sie sich schmerzhaft zurück. Die Launen und Aggressionen ihres Mannes häuften sich und mündeten immer häufiger in häuslicher Gewalt.

„Jugendamt, Polizei und Frauenberatung. Das war alles neu für mich“, sagt die 39-Jährige, die Anfang des Jahres aufgrund ihrer ausweglosen Situation erstmalig Hilfe in der Kölner Frauenberatungsstelle Wendepunkt annahm.

„Jugendamt, Polizei und Frauenberatung. Das war alles neu für mich“, sagt die 39-Jährige, die Anfang des Jahres aufgrund ihrer ausweglosen Situation erstmalig Hilfe annahm. Nach mehreren Gesprächen in der Frauenberatungsstelle Wendepunkt , unter anderem mit einem Psychologen, war Maria M. bereit, sich von ihrem Mann zu trennen. „Jetzt brauche ich dringend eine Wohnung, damit ich meinen Kindern ein normales Leben bieten und auch wieder arbeiten gehen kann“, sagt sie.

Freie Wohnungen für Familien sind selten

Doch die Wohnungssuche in Köln ist eine große Herausforderung. „In den meisten Fällen wurde ich noch nicht mal zu einer Wohnungsbesichtigung eingeladen. Ich vermute, es liegt daran, dass ich drei Kinder und einen ausländischen Namen habe“. Das bestätigt Maren Benner, die für das Projekt „Step 2“ arbeitet und die dreifache Mutter seit einiger Zeit bei der Wohnungssuche professionell unterstützt. „Mit dem Projekt Step 2` wollen wir Frauen, die häusliche Gewalt erlebt haben, helfen, eine eigene Wohnung und damit den Weg zurück in ein normales Leben zu finden“, sagt die Sozialarbeiterin, „freie Wohnungen für diese Familiengröße sind allerdings in Köln sehr rar.“ Um die Chancen auf eine Wohnung zu vergrößern, unterstützte Maren Benner die verzweifelte Mutter einen Wohnberechtigungsschein zu beantragen. Außerdem erstellte sie eine „Bewerbermappe“ für die 39-Jährige, in der sich alle relevanten Informationen und Dokumente, wie z.B. die Schufa-Auskunft und ihre Einkommensnachweise, befinden.

„In den meisten Fällen wurde ich noch nicht mal zu einer Wohnungsbesichtigung eingeladen. Ich vermute, es liegt daran, dass ich drei Kinder und einen ausländischen Namen habe“

Im Zweifel das kinderlose Angestellten-Paar

Über 100 Bewerbungen hat Maria M. bisher rausgeschickt, aber es gab nur drei Wohnungsbesichtigungen, bei denen es dann aber keine positive Rückmeldung gab. „Oft gibt es Vorurteile, deshalb führen wir klärende Gespräche und sind für die Vermieter Ansprechpartner, auch nach dem Einzug in die neue Wohnung“, sagt Benner. So befürchten viele Vermieter, dass die gewalttätigen Männer ihre Frauen in der neuen Wohnung aufsuchen und Krawall machen könnten. Auch eine gesicherte Mieteinnahme wird häufig angezweifelt. „Da fällt die Entscheidung im Zweifel eher auf das kinderlose Angestellten-Paar“, sagt Maren Benner.

„Bisher haben zwölf Frauen durch unsere Hilfe eine passende Wohnung finden können. Es könnten mehr sein“, sagt Projektmitarbeiterin Maren Benner.

Bisher haben zwölf Frauen durch die Hilfe der Mitarbeiterinnen von „Step 2“ eine passende Wohnung finden können. „Es könnten mehr sein“, sagt Maren Benner. So wie Maria M., die gerne in Köln leben möchte, weil sie und ihre Kinder hier Freunde haben und auch ihr Bruder bald in die Domstadt hinziehen wird. „Aber wenn ich nicht bald etwas finde, dann muss ich leider eine Wohnung außerhalb von Köln nehmen“, sagt sie.

Sie sind auf der Suche nach einer zuverlässigen Mieterin? Nehmen Sie Kontakt zu uns auf:

Maren Benner | Mobilnr.: 0173 – 906 28 38 |E-Mail: m.benner(ät)diakonie-michaelshoven.de

Das Projekt „Step 2“ ist ein Kooperationsprojekt des SKF e.V. und der Diakonie Michaelshoven. Es wird durch das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW gefördert. Ziel ist es, unter anderem die überfüllten Frauenhäuser in Köln zu entlasten.

*Namen wurden von der Redaktion geändert.

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