Einblick

Solange ich Erfolge sehe, bin ich motiviert

Mehrad Rafati genießt den Kölner Sommer in vollen Zügen. Nochmal Energie tanken, bevor in einer Woche der nächste wichtige Schritt in seinem Leben beginnt. „Ich werde mein Fachabitur nachholen und möchte danach BWL studieren“, sagt der 34-Jährige stolz. Vor drei Jahren hätte er nicht ansatzweise daran geglaubt, dass er studieren könnte. „Die Ausbildung, die mir durch das Kölner Bildungsmodell ermöglicht wurde und die ich erfolgreich abgeschlossen habe, hat mich motiviert weiterzumachen. Ich weiß jetzt endlich, was wichtig ist und was ich will“, sagt Rafati.

Mit zwei Jahren kam der gebürtige Iraner mit seiner Mutter nach Deutschland. Nach dem Hauptschulabschluss absolvierte er die Fachoberschulreife an der Handelsschule und begann im Anschluss eine Ausbildung zum informationstechnischen Assistent. „Ich habe die Ausbildung nach einem Jahr abgebrochen, weil es nicht das Richtige war“, erzählt Rafati. Ohne ein Ziel vor Augen und Unterstützung arbeitete er dann fast zehn Jahre als Service-Mitarbeiter im Einzelhandel und in der Gastronomie. Zwischendurch ging er zur Bundeswehr und wurde dort als Sanitäter eingesetzt. Doch nirgendwo hielt es ihn lange, und der Frust wurde mit jedem Jahr größer. „Ich wollte immer etwas Richtiges lernen. Aber ich wusste nicht, was mir wirklich liegt und was ich will“, sagt Mehrad Rafati.

Bei Bedarf können sich die Teilnehmer bei der Qualifizierung über das Kölner Bildungsmodell sogar bis zu sieben Jahre Zeit für die Ausbildung nehmen.

Er bewarb sich auf mehrere Ausbildungsstellen und erhielt nur Absagen. „Dann hatte ich im Jobcenter ein Beratungsgespräch, und mir wurde empfohlen, eine Ausbildung über das Kölner Bildungsmodell zu beginnen“, erinnert er sich zurück. Das Kölner Bildungsmodell richtet sich an Teilnehmer zwischen 25 und 35 Jahren, die zwar einen Hauptschulabschluss aber keinen qualifizierten Berufsabschluss haben. Die mehreren aufeinander aufbauenden Qualifizierungsbausteine sollen die Teilnehmer Schritt für Schritt zu einem erfolgreichen Abschluss führen. Bei Bedarf können sie sich sogar bis zu sieben Jahre Zeit für die Ausbildung nehmen, wenn es beispielsweise private Umstände nicht zulassen, die Ausbildung fortzuführen, und sie eine Pause einlegen müssen.

Wieder die Schulbank drücken

Mehrad Rafati entschied sich für das Kölner Bildungsmodell. Zuerst nahm er an dem sechswöchigen Profiling teil, bei dem die einzelnen Fähigkeiten getestet werden und der Teilnehmer sich für eine der angebotenen Ausbildungen entscheidet. „Da ich gerne mit Menschen zu tun habe und mich auch für Computer und Elektronik interessiere, war für mich schnell klar, dass ich für die Ausbildung zum Verkäufer geeignet bin“, sagt Rafati.
Im November 2014 begann seine Ausbildung nach dem Kölner Bildungsmodell im Zentrum Bildung und Beruf der Diakonie Michaelshoven. Am Standort Michaelshoven und kurze Zeit später in den Räumlichkeiten in Köln-Poll drückte Mehrad Rafati gemeinsam mit weiteren Teilnehmern wieder die Schulbank. „VWL, BWL und kaufmännisches Rechnen waren einige der Unterrichtsfächer, die ich hatte und einmal die Woche haben wir eine Klausur geschrieben“, erinnert er sich zurück. „Früher war die Schule für mich immer zweitrangig, ich konnte mich kaum konzentrieren. Aber hier habe ich gelernt, wieder zu lernen“, sagt er.

„Ich wollte immer etwas Richtiges lernen. Aber ich wusste nicht, was mir wirklich liegt und was ich will“

Viel Unterstützung während der Ausbildung

Während der ganzen Ausbildungszeit erhielt er von den Lehrern und vor allem von Johanna Koch-Gyftopoulos, Jobcoach beim Kölner Bildungsmodell, viel Unterstützung. „Frau Koch stand mir immer zur Seite, sie hat mich in allen Belangen unterstützt und beraten, sei es bei Bewerbungen, meinem Papierkram oder auch bei anstehenden Behördengänge,“ erinnert er sich zurück. Sie bot den Teilnehmern sogar Entspannungsübungen an, um mit stressigen Situationen besser umzugehen. „Ich habe hier auch gelernt, pünktlich zu sein. Das passiert mir bestimmt nicht noch mal, dass ich verspätet bei einem Termin erscheine oder mich nicht rechtzeitig melde“, lacht er.

Besonders wichtig empfand er die insgesamt vier Praktikumsblöcke, die er während der Ausbildung absolvieren musste. „Die Auswahl des Praktikums war wichtig, um im besten Fall hier schon seinen zukünftigen Arbeitgeber zu finden“, sagt Rafati. „Ich habe unter anderem zwei Praktika bei einem großen Elektronikhandel gemacht. Aber obwohl ich hier positives Feedback erhalten habe, kam eine Übernahme leider dennoch nicht zustande“. Durch die Empfehlung eines weiteren Teilnehmers schaffte er es jedoch schließlich, bei einem anderen großen Elektronikhandel angestellt zu werden. 2017 beendete er seine Ausbildung zum Verkäufer nach zwei Jahren erfolgreich mit der IHK-Prüfung.

„Die nächsten Ziele zu erreichen, das wird sicherlich nicht einfach. Aber ich habe hier gelernt, an mich zu glauben und an mir zu arbeiten.“

Ich habe gelernt an mich zu glauben

Doch Mehrad Rafati möchte beruflich noch mehr erreichen. Die guten Noten, das positive Feedback von den Praktikumsstellen und auch seinem Jobcoach beim Kölner Bildungsmodell motivieren ihn, weiterzumachen. „Ich möchte das nachholen, was ich in jungen Jahren verpasst hatte“, erklärt er. Bald sitzt er wieder in einem Klassenzimmer, dieses Mal, um das Fachabitur zu schaffen und im Anschluss BWL zu studieren. „Die nächsten Ziele zu erreichen, das wird sicherlich nicht einfach. Aber ich habe hier gelernt, an mich zu glauben und an mir zu arbeiten“, sagt Mehrad Rafati.

Träger des Kölner Bildungsmodells

Das Kölner Bildungsmodell wurde vom kommunalen Bündnis für Arbeit ins Leben gerufen und wird durchgeführt von der Handwerkskammer zu Köln, dem Kolping-Bildungswerk Diözesanverband Köln e.V. sowie dem Zentrum Bildung und Beruf Michaelshoven im Auftrag des Jobcenters Köln und der Agentur für Arbeit Köln in Kooperation mit der Industrie- und Handelskammer zu Köln.

Infos zum Kölner Bildungsmodell.

Video zum Kölner Bildungsmodell.

Webseite zum Kölner Bildungsmodell.

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