Einblick

Traumjob Altenpfleger

Laut einer Prognos-Studie werden in Deutschland bis 2030 mindestens 278.000 neue Pflegekräfte benötigt. Denn immer mehr Menschen werden im Alter pflegebedürftig sein. Doch die Ausbildung zum Altenpfleger ist für viele junge Menschen unattraktiv, auch wenn es sich um einen sicheren Job mit Sinn handelt. Die 18-jährige Sabrina Rakocevic, die sich schon mit 17 Jahren aus Überzeugung für die Ausbildung zur Altenpflegerin entschieden hat, sieht das jedoch ganz anders.  „Jeder hat es verdient, auch in seinen letzten Jahren ein schönes und lebenswertes Leben zu haben. Für mich ist es der absolute Traumjob“, sagt die junge Frau mit dem großen Herz und dem herzlichen Lachen.

„Eigentlich wollte ich Physiotherapeutin werden“, berichtet die 18-Jährige. Doch während ihres Schulpraktikums beim Physiotherapeuten sammelte sie erste Erfahrungen im Umgang mit älteren Menschen. „Die Begegnungen haben mir viel Spaß gemacht, und ich habe mich so gerne mit ihnen unterhalten. Dabei habe ich auch schnell gemerkt, dass ich hier wirklich etwas bewirken und helfen kann“, erinnert sie sich zurück. In ihrem letzten Schuljahr bewarb sie sich dann sowohl für eine Ausbildung als Physiotherapeutin als auch für die Ausbildung im Fachseminar für Altenpflege in Köln. Ihr wurde empfohlen, ein viertägiges Praktikum in einer der Senioreneinrichtungen zu absolvieren, um einen ersten Einblick in das Berufsfeld zu erhalten. „Ich hätte es nicht gedacht, aber in diesen Tagen konnte ich viel über den Beruf der Altenpflegerin erfahren und habe ihn so richtig lieben gelernt“, sagt Sabrina Rakocevic.

„Ich möchte am Ende des Tages in den Spiegel schauen und nicht darüber nachdenken müssen, das ich bei dem ein oder anderen doch lieber noch fünf Minuten länger geblieben wäre“

Eine herausfordernde Ausbildung

Besonders eine Begegnung blieb ihr im Gedächtnis: „Eine ältere Dame wurde beim gemeinsamen Spielen nicht nur ausgegrenzt, sondern von den weiteren Mitspielerinnen beschimpft. Das fand ich schrecklich und so habe ich mich in den folgenden Tagen viel mit ihr beschäftigt. Als ich mich dann nach vier Tagen bei ihr verabschiedet habe, fing sie an zu weinen und wünschte mir ‚alles Gute‘.“, erzählt die Auszubildende, „das hat mich sehr berührt“. Als sie dann vom Einrichtungsleiter den Anruf erhielt, dass man sehr zufrieden mit ihr gewesen sei und sie gerne zur Ausbildung zulassen möchte, konnte sie ihren Freudenschrei nicht zurückhalten.

Der Lernstoff in ihrer Ausbildung überraschte viele in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis. „Anatomie, Rechtskunde und Krankheitslehre gehören auch zu meinen Fächern. Ich könnte ja auch später im Krankenhaus arbeiten“, sagt sie. Bei den Themen Tod und Abschied kann aus ihrer Sicht allerdings kein Schulfach helfen. Hier zählt alleine der persönliche Umgang damit. „Oft ist der Tod eine Erlösung für die Betreffenden. Es trifft mich jedoch immer sehr, wenn mir jemand sagt, er möchte sterben. Dann nehme ich mir Zeit, damit wir gemeinsam darüber sprechen können“, erklärt die Auszubildende. Denn häufig geht es dabei gar nicht um die fortschreitende Krankheit, sondern um die Einsamkeit und die Sehnsucht nach verstorbenen Angehörigen und Freunden. Sie selbst verarbeitet diese Gespräche am besten, indem sie mit ihren Eltern darüber spricht und die Ereignisse in ihrem Tagebuch notiert.

„Oft ist der Tod eine Erlösung für die Betreffenden. Es trifft mich jedoch immer sehr, wenn mir jemand sagt, er möchte sterben. Dann nehme ich mir Zeit, damit wir gemeinsam darüber sprechen können“

Schnell die Herzen erobert

Zeit zum Reden ist etwas, das in der täglichen Arbeit der Altenpfleger oft zu kurz kommt und dennoch so immens wichtig ist. „Ich möchte am Ende des Tages in den Spiegel schauen und nicht darüber nachdenken müssen, das ich bei dem ein oder anderen doch lieber noch fünf Minuten länger geblieben wäre“, erklärt sie. Mit ihrer Fröhlichkeit und Leichtigkeit hat sie die Herzen der Bewohner und auch ihrer Kollegen schnell erobert. Oft hört man die junge Auszubildende singend durch die Gänge gehen. Und sie stimmt mit den Bewohnern auch Lieder an, die sie bisher gar nicht kannte, weil sie aus einer anderen Generation stammen. „Hier wohnt eine Eifelerin und mit ihr singe ich dann ´Hoch im Eifelland‘. Den Text kann ich jetzt schon auswendig“, lacht die 18-Jährige.

„Ich wünsche mir, dass die Altenpflege nicht so schlecht gemacht wird. Die Pflegeberufe müssen für junge Menschen wie mich attraktiver gemacht werden“

So leicht und optimistisch sie den Arbeitsalltag auch bewältigt, sieht sie jedoch einige Rahmenbedingungen als sehr schwierig an: „Wir brauchen dringend mehr Personal! Wenn in Zukunft immer mehr Senioren pflegebedürftig werden, dann benötigen wir auch viel mehr Nachwuchs.“ Deshalb muss ihrer Meinung nach auch dringend an dem Image der Pflegeberufe gearbeitet werden. „Ich wünsche mir, dass die Altenpflege nicht so schlecht gemacht wird. Die Pflegeberufe müssen für junge Menschen wie mich attraktiver gemacht werden“, fordert Sabrina Rakocevic. „Wir sind nicht nur dazu da, die Menschen mit Essen zu versorgen und zu waschen. Wir stehen jeden Tag vor der abwechslungsreichen Herausforderung, Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen bestmöglich gerecht zu werden“, sagt die Auszubildende.

„Jeder hat es verdient, auch in seinen letzten Jahren ein schönes und lebenswertes Leben zu haben. Für mich ist es der absolute Traumjob“

Weiter im Traumberuf

Sie selbst hat auch schon einen konkreten Plan für ihre Zukunft: „Ich werde nach der Ausbildung erst mal zwei Jahre in dem Beruf arbeiten und möchte dann Pflegewissenschaften studieren. Das interessiert mich“, sagt Sabrina Rakocevic. Ihr Tipp an junge Menschen lautet deshalb, so viele Praktika wie möglich zu machen. Um dann, wie in ihrem Fall, den Traumberuf zu finden. „Ich hätte mir keinen Job im Büro vorstellen können, wo ich den ganzen Tag vor dem PC sitze. Ich würde kaputtgehen“, sagt die 18-Jährige mit ihrem ansteckenden Lachen und einer gehörigen Portion Optimismus, bei dem man direkt weiß, warum die älteren Menschen sie so gerne haben.

2 Kommentare zu “Traumjob Altenpfleger

  1. Ulrike Lehmler

    Ich habe mich vor 6 Jahren mit 47 Jahren umorientiert und auch für die Altenpflege entschieden. Im Jahr 2016 habe ich meine Ausbildung zur Altenpflegehelferin beendet. Direkt im Anschluss der Ausbildung, mit 1 Jahr Verkürzung, meine Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin begonnen. Es ist ein Beruf ohne Langeweile mit vielen Sonnenseiten. Ich bin froh, das ich mich für diesen Beruf entschieden habe. Sabrina habe ich in meinem Praktikum kennengelernt. Wirklich lobenswert!

    • Liebe Ulrike Lehmler, das freut uns sehr zu lesen. Es zeigt, dass es nie zu spät ist, eine neue berufliche Herausforderung anzugehen und damit auch zufrieden zu sein. Wir wünschen Ihnen weiterhin alles Gute.

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