Einblick

Oma lernt Whatsapp

Mit den Kindern regelmäßig in Kontakt bleiben, Fotos von den Enkeln bekommen, sich mit Freunden in anderen Teilen des Landes austauschen oder im Internet recherchieren – immer mehr Seniorinnen und Senioren entdecken die neuen Medien für sich. Doch viele fühlen sich mit den neuen Technologien überfordert, obwohl sie diese gerne nutzen würden. Damit der Umgang mit den modernen Geräten für Spaß und nicht für Frust sorgt, steht Nadine Lenz den älteren Menschen zur Seite. Die 38-Jährige engagiert sich ehrenamtlich bei den Helfenden Händen in Köln-Porz, die einmal im Monat zum offenen Treff „Das 1×1 der Handy- und Smartphone-Nutzung“ einlädt.

„Mein Sohn hat mir sein altes Smartphone geschenkt. Jetzt würde ich so gerne meiner Tochter ein paar schöne Bilder schicken, aber ich weiß einfach nicht wie.“ Die 70-jährige Ingrid Müller* schaut ratlos auf das Gerät, das vor ihr auf dem Tisch liegt. „Darf ich Ihnen kurz etwas zeigen?“, fragt Ehrenamtlerin Nadine Lenz die Seniorin. „Sehr gerne!“, antwortet die 70-Jährige. „Drücken Sie bitte hier auf das Symbol, so gelangen Sie in das Programm WhatsApp. Hier sehen Sie schon Ihre Tochter als Kontakt. Und hier, mit dieser Büroklammer, können Sie der Nachricht quasi etwas anheften, in diesem Fall die von Ihnen gewünschten Bilder“, erklärt sie geduldig jeden einzelnen Schritt. „Probieren Sie es einfach aus, Sie können nichts kaputt machen“, ermuntert sie die Seniorin. Wenige Momente später folgt das erste Erfolgserlebnis. „Oh schauen Sie, das Bild ist schon angekommen! Und meine Tochter hat direkt geantwortet und sich bei mir bedankt“, sagt die Seniorin freudestrahlend.

„Probieren Sie es einfach aus, Sie können nichts kaputt machen“, motiviert die Ehrenamtlerin Nadine Lenz die Senioren, um ihr Smartphone besser kennenzulernen.

Digitale Nähe lernen

Gemeinsam mit acht weiteren Senioren ist Frau Müller zum offenen Treff „Das 1×1 der Handy- und Smartphone-Nutzung“ in der Glashütte in Köln-Porz gekommen. Veranstaltet wird dieses von den Helfenden Händen Porz in Kooperation mit den SeniorenNetzwerken Porz und Zündorf sowie dem AWO Ortsverein Porz e.V. Nadine Lenz ist eine von zwei Ehrenamtlichen, die an diesem Abend Hilfestellung beim Einstieg in die Handhabung der digitalen Geräte geben. „Immer mehr ältere Menschen bekommen von ihren Kindern oder Enkeln ausrangierte oder neue Handys oder Smartphones geschenkt“, erläutert die 38-Jährige. „Sie möchten gerne die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation nutzen, wissen jedoch nicht, wie dies genau geht oder haben teils Berührungsängste. Mit ihren Fragen können sie dann zu uns kommen.“

Senioren zeigen sich offen für die Digitalisierung

Seit rund vier Jahren engagiert sich Nadine Lenz bereits ehrenamtlich. „Ich wollte gerne anderen Menschen helfen, einfach, weil ich das als wichtig erachte. Da ich jedoch Vollzeit im Medienbereich arbeite und auch viel dienstlich unterwegs bin, musste mein Ehrenamt mit meinem Beruf vereinbar sein und mir eine gewisse Flexibilität ermöglichen.“ Bei ihr hat sich mit der Zeit vor allem der technische Bereich, rund um Fernsehen, Tablets und Handys, herauskristallisiert. „Oft sind gerade ältere Menschen anfangs mit den neuen Technologien überfordert“, erzählt sie von ihren Erfahrungen. Dabei tauchen immer wieder folgende Fragen auf: Wie bekomme ich neue Kontakte ins Telefon? Wie schreibe ich eine SMS? Welche Einstellungen sind ratsam? Wie kann ich mich vor Betrug schützen? Was ist WhatsApp? Und wie kann ich meiner Familie und meinen Freunden Bilder und Videos schicken?

Nadine Lenz findet, dass die Neuen Medien für ältere Menschen immer wichtiger werden, denn auf diesem Wege können sie Kontakt mit ihren Kindern, Enkeln und Freunden aufrechterhalten, die sie nicht mehr so oft sehen.

Vor allem ein Fall ist ihr in Erinnerung geblieben: „Eine Dame hatte sich zu ihrem 88. Geburtstag selbst ein Smartphone geschenkt, sie wolle diese technische Entwicklung mitgehen, ihre Freunde hätten das auch, und sie wolle auch mit dabei sein“, so die Ehrenamtliche. Ihrer Ansicht nach werden die neuen Medien für ältere Menschen immer wichtiger, denn auf diesem Wege können sie Kontakt mit ihren Kindern, Enkeln und Freunden aufrechterhalten, die sie nicht mehr so oft sehen.

Ehrenamt ist ein wichtiger Pfeiler in der Gesellschaft

„Zu sehen, dass man mit ganz wenig und kleinen Dingen so viel bewirken kann, das ist das Schönste für mich!“, sagt sie begeistert. Anderen zu helfen, neben ihrem Vollzeitjob, ist für die Ehrenamtlerin selbstverständlich. „Ich bin dankbar dafür, was die ältere Generation für mich getan hat, denn sie hat dazu beigetragen, dass ich heute so leben kann, wie ich lebe. Und das Mindeste, was ich da machen kann, ist Danke zu sagen. Zum Beispiel in Form meines Ehrenamtes.“ Ihr größter Wunsch ist es, dass es Projekte wie die Helfenden Hände in jeder Stadt gibt und sich noch mehr Menschen für die eigenen Mitbürger freiwillig engagieren. „Für mich ist das Ehrenamt ein ganz wichtiger Pfeiler der Gesellschaft. Und wenn jeder Einzelne anderen Menschen etwas Nächstenliebe und Respekt, vor allem gegenüber dem Alter, entgegenbringen würde, dann wären wir alle schon ein großes Stück weiter“, erklärt Nadine Lenz.

1 Kommentar zu “Oma lernt Whatsapp

  1. Hallo!
    Das ist echt ne klasse Idee. Wir merken jeden tag wieviel Schwirigkeiten unsere älteren Mitmenschen damit haben. Leider gibt es das nicht in jeder Stadt.
    Lieben Gruß

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