Meinung

Björn Heuser: #achtungrespekt

Fast täglich stehe ich auf der Bühne, singe von der „schönsten Stadt“ und dass wir alle „supertolerant“ seien. Klar, ich bin sehr glücklich Kölner zu sein, fühle einen gesunden Lokalpatriotismus und engagiere mich gerne in meiner Heimat. Aber ganz so rot-weiß-rosarot ist es dann doch nicht. Denn wenn auch der Dom in den Himmel ragt und vor Eleganz nur so strahlt, darf man nicht vergessen, auch unten die Füße der Kathedrale zu betrachten. Und da sieht die Welt oft schon anders aus. Grau, rauh, respektlos, man kämpft ums Überleben.

Die Schere zwischen arm und reich wird immer größer. Und das merkt man schon vor der eigenen Haustüre. Haus an Haus wohnen Menschen, deren soziale Gegebenheiten unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Rechtsanwalt mit vier Kindern, einem großen gepflegten Garten, mit Haushälterin und einem Porsche vor der Türe, wohnt neben der älteren Dame, die seit Jahren verwitwet ist, keinen Besuch mehr bekommt, vor sich hin lebt und sich täglich ausrechnen muss, ob die kleine Rente noch bis zum Monatsende reicht. Sie leben nebeneinander, aber nicht miteinander.

In meinen Augen fehlt oft der gegenseitige Respekt. Wie kann es sein, dass die Generation, die unsere Stadt nach dem Krieg wieder aufgebaut hat, plötzlich im Alter vor dem Nichts steht? Ohne diese Menschen wären wir heute längst nicht dort, wo wir sind. Wo ist die Dankbarkeit? Wie kann es sein, dass ein Mensch vierzig Jahre lang hart arbeiten geht, und im Alter von der Rente nicht leben kann? Aber fangen wir schon im Kleinen an: wo liegt das Problem, wenn der Getränkelieferant des Rechtsanwaltes mit dem Porsche der älteren Dame nebenan eine Kiste Wasser mitbringt? Sind die drei Euro das Problem? Ich glaube nicht. Wir isolieren uns, wir sprechen nicht mehr miteinander, wir leben unser Leben. Die anderen sind egal.

Es ist nicht leicht, dies auf Anhieb zu ändern. Aber ich selbst versuche dort, wo es geht, mit Menschen zu sprechen, zu helfen und für andere da zu sein. Und das in jeder Lebenslage. Die Bläck Fööss singen: mir sprechen hück all dieselve Sproch! Ich nehme mir das zu Herzen, und ergänze: Das Zauberwort heißt Respekt. Ein bisschen mehr Respekt – egal worum und um wen es geht – dann sähe die Welt schon anders aus. Das ist meine feste Überzeugung.

Björn Heuser
Kölner Musiker

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