Einblick

IT-Experte und Nachwuchsschauspieler Peter Gatzweiler

Tosender Applaus ertönt im Saal der Kölner Oper. Erschöpft, aber zufrieden verbeugt sich Peter Gatzweiler vor dem begeisterten Publikum. Die Bühne und der Backstage-Bereich sind ihm  mittlerweile gut bekannt. Genauso wie die IT-Abteilung der Diakonie Michaelshoven. Er liebt es, in verschiedene Rollen zu schlüpfen, seine Ideen voranzutreiben und die eigenen Grenzen immer wieder aufs Neue auszutesten. Seine Kleinwüchsigkeit spielt dabei eine Nebenrolle.

Gleich drei unterschiedliche Rollen übernimmt Peter Gatzweiler in dem Stück „Candide“ in der Spielzeit 2016/17 der Kölner Oper. „Das ist eine spannende Herausforderung für mich“, sagt der 37-Jährige. „Zum Glück muss ich jedoch nicht singen“, fügt er lachend hinzu. Die schnellen Kostümwechsel und das geschäftige Treiben nimmt er einerseits gelassen, andererseits mit einer erstaunlichen Energie hin, liegt doch bereits ein ganzer Tag in seinem Hauptjob hinter ihm. Ein Arbeitstag, der sich stark vom Bühnenleben unterscheidet.

„Seit bald neun Jahren arbeite ich in der IT-Abteilung der Diakonie Michaelshoven“, erklärt Peter Gatzweiler.

„Angefangen hat er als Systemadministrator. Viele weitere Projekte sind mit der Zeit hinzugekommen. Seit März 2017 ist Peter Gatzweiler nun einer der beiden kommissarischen Leiter der IT-Abteilung. „Einmal eine solche Position zu bekleiden, war schon lange ein Traum von mir“, sagt er.

Nicht die Größe, sondern der Charakter zählt

Neben der IT hat er vor ein paar Jahren eine weitere große Leidenschaft für sich entdeckt: die Schauspielerei. „Angefangen hat das mit kleinen Stunt-Rollen für Fernsehfilme, später habe ich das Sams in den drei Kinofilmen gedoubelt“, berichtet Peter Gatzweiler. „Dadurch habe ich auch automatisch Kontakte in der Branche geknüpft.“ Es folgten kleinere Rollen in Filmen wie etwa „Nick Knatterton“, „Alles Liebe“, Auftritte in Opern („Carmen“ und „Candide“) und am Theater, etwa in „Schneewittchen und die sieben Zwerge“. „Generell sind das Publikum und die Gesellschaft offener gegenüber kleinwüchsigen Darstellern geworden“, stellt er fest. „Statt klamaukhafter Rollen wie etwa die des Clowns steht mittlerweile endlich der Charakter und nicht mehr nur die Größe im Vordergrund“, sagt er.

„Das ist eine spannende Herausforderung für mich“, sagt der 37-Jährige. „Zum Glück muss ich jedoch nicht singen“.

Doch es müsse sich noch viel mehr bewegen. Dafür setzt sich Peter Gatzweiler aktiv ein: „Ich engagiere mich in der Agentur eines Freundes, Peter Brownbill, die kleinwüchsige Darsteller europaweit vermittelt. Zudem habe ich 2016 mit Freunden den Verein ‚Größenwahn‘ gegründet. Wir wollen damit für den offenen und vorurteilsfreien Umgang mit Kleinwüchsigen werben und das gegenseitige Verständnis zwischen kleinwüchsigen und ,normal‘ großen Menschen fördern.“ Geplant seien Integrations- und Kommunikationsprojekte und auch das Betreiben einer Minibar in Hamburg.

Grenzen auszutesten – die eigenen und auch in Hinblick auf die Erwartungshaltung anderer Menschen – empfindet Peter Gatzweiler als spannende Herausforderung. Dabei geht er auch bis an seine körperlichen Grenzen. Ein besonderes Erlebnis bot sich dem Bergfreund in 2011, als das ZDF ihn und vier weitere Menschen mit Behinderung bei der Überquerung der Alpen begleitete. „Wir waren ein Rollstuhlfahrer, eine Unterschenkelamputierte, eine Blinde, ein Gehörloser und ich“, berichtet er. „Als Team haben wir Gletscherspalten überquert und Gipfel erklommen. Das sind Erlebnisse, die man nicht missen möchte im Leben.“

Kleinwüchsigkeit

„Ich würde liebend gerne mal eine Hauptrolle spielen.“

Dinge ausprobieren

Nur wenn man Dinge ausprobiert, könne man seine Träume auch verwirklichen. Und davon hat er noch so einige. „Ich würde liebend gerne mal eine Hauptrolle spielen“, berichtet er. „Im März habe ich mit Peter Brownbill in Zürich für einen Kurzfilm als Special Agents vor der Kamera gestanden“, erzählt er. „Mein Charakter ist der Seriösere der beiden, ernsthaft, immer adrett im Anzug gekleidet, überpünktlich – das passt eigentlich so gar nicht zu mir“, meint er grinsend. Aber genau dieses Spiel mit Gegensätzen mache die Schauspielerei ja so spannend. Falls sich Geldgeber finden sollten, soll aus der Kurzversion ein Kinofilm entstehen. „Und wer weiß, was mich dann womöglich in Zukunft noch an tollen Möglichkeiten und Projekten erwartet – vor der Kamera, im Job und sonst noch im Leben.“

 

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