Einblick

Traumjob in einem Sozialen Brennpunkt gefunden

Ein Meer an Hochhäusern, stillgelegte Geschäfte und ein Hauch von Melancholie. „Das Demo“, so nannte sich das Vorzeigeprojekt der Stadt Köln, dass in Köln-Finkenberg und Umgebung in den 60er Jahren konzipiert und umgesetzt wurde. Das Konzept eines lebenswerten Umfelds ging nicht auf. Das Image der Stadtteile litt darunter. Jochen Schäfer ist seit 2016 der Sozialraumkoordinator und berichtet überraschend Gutes.

2007 hat die Diakonie Michaelshoven im Auftrag der Stadt Köln die Sozialraumkoordination für die Stadtteile Finkenberg, Gremberghoven, Porz-Ost und Eil übernommen. Jochen Schäfer ist seit 2016 der Sozialraumkoordinator. Er ermittelt die Bedarfe der Bewohner, ist Networker und  Schnittstelle für Behörden, Institutionen und Bürger. Gemeinsam werden so Lösungen für kleine oder große Herausforderungen in den Stadtteilen erarbeitet.

Der 41-jährige Heilpädagoge hat zuvor bei verschiedenen Trägern der Jugendhilfe gearbeitet, ist systemischer Berater, Coach und gelernter Tischler. Er kennt sich in den verantwortlichen Stadtteilen gut aus. „Der Ruf von Finkenberg ist schlechter als das Viertel tatsächlich ist“, sagt Jochen Schäfer. Sehr lange litt der Stadtteil aufgrund der schlechten Wohnbedingungen, einer hohen Kriminalitätsrate und fehlenden Freizeitangeboten unter einem schlechten Image.

„Der Ruf von Finkenberg ist schlechter als das Viertel tatsächlich ist“, sagt Jochen Schäfer.

Seit dem Start der Sozialraumarbeit hat sich dort viel bewegt. Viele neue Projekte entstehen, die eine positive Entwicklung der Stadtteile vorantreibt. Die Bewohner werden in die Stadtteilarbeit integriert, und es entstehen immer mehr Angebote, mit denen sie sich identifizieren können. So wurde zum Beispiel 2011 erstmalig das Sommercamp Finkenhoven angeboten, das in den Sommerferien für 250 Kinder und Jugendliche aus den Stadtteilen ein großes Freizeitangebot bereit hält.

Seit zwei Jahren können zusätzlich 80 Kinder und Jugendliche aus den Flüchtlingsunterkünften an dem Programm teilnehmen. Die Anzahl der Teilnehmer und auch die der Unterstützer wächst stetig. „Ein Umfeld kann Menschen auch verändern. Ist das Umfeld schön, verhalten sie sich anders“,weiß Jochen Schäfer.

Die Germania-Siedlung in Porz Gremberghoven steht unter Denkmalschutz. Hier in der Nähe liegt das Büro von Jochen Schäfer.

Doch es gibt noch viel zu tun. „Es besteht ein großer Bedarf an weiteren Spielflächen für Kinder. Und wir brauchen Treffpunkte für die Menschen“, sagt er. Cafés, Gaststätten oder Freizeiträume sind rar in den Vierteln. Die überdurchschnittlich hohe Kinderarmut macht es notwendig, Angebote zu schaffen, die kostenlos oder sehr günstig sind.

„Ein Umfeld kann Menschen auch verändern. Ist das Umfeld schön, verhalten sich Menschen auch anders“,weiß Jochen Schäfer.

„Hier ist viel zu tun, und wir freuen uns über jeden, der uns ehrenamtlich unterstützt. Das kann auch mal das Kaffeetrinken mit einem älteren Menschen hier im Veedel sein, die Schulpatenschaft für ein Kind oder die Unterstützung bei unserem Sommercamp“, sagt Jochen Schäfer. Als Sozialraumkoordinator muss er oft flexibel reagieren und manchmal auch improvisieren können. „Aber wir arbeiten hier wunderbar zusammen und können deshalb vor Ort viel bewegen“, fasst er zusammen.

INFO
Damit sich die Lebensbedingungen für Bewohner in sozialen Brennpunkten langfristig verbessern, hat die Stadt Köln vor zehn Jahren Sozialraumgebiete definiert. In diesen Gebieten wurden Koordinationsstellen mit jeweils einem Sozialraumkoordinator eingerichtet.

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