Einblick

Singen macht glücklich. Der Piratenchor aus Köln

 

Christoph Watrin leitet den Piratenchor.

Einmal die Woche trifft sich der Piratenchor zur Probe.

Jeder singt im Piratenchor so gut mit, wie er kann.

Wer unter der Dusche oder im Auto singt, lebt gesünder. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Singen macht nicht nur glücklich, sondern hält auch Körper und Geist fit. Dabei kommt es nicht auf Perfektion und Textsicherheit an. Wer dann noch in der Gemeinschaft singt, der hat in den meisten Fällen auch noch Spaß und Freude. So wie die Teilnehmer des „Michaelshovener Piratenchor“, die sich einmal die Woche zur Chorprobe treffen. Das Niveau ist sicherlich nicht mit dem der Wiener Sängerknaben zu vergleichen. Doch haben diese auch so viel zu lachen?

„Mit welchem Lied wollen wir beginnen“, fragt der Chorleiter Christoph Watrin in die Runde. Im Stimmengemenge der Chormitglieder setzt sich „Aber bitte mit Sahne“ durch. Als Watrin die Melodie auf dem Keyboard anklingen lässt, swingen die Teilnehmer sofort mit, einige im, andere auch etwas außerhalb des Taktes. Auf jeden Fall steigt die Musik hier allen direkt ins Blut. Gerade noch ging es um Früchteeis, Kirsch´ und Banane, als plötzlich Ulla R., eine der Teilnehmerinnen, impulsiv und mit vollem Körpereinsatz „Ice, Ice, Baby“ rappt. Es war ihr Vorschlag, diesen Refrain mit einzubauen. Weiter geht es fließend mit dem Gospelsong „Oh happy Day“. Ein Medley aus verschiedenen Lieblingsliedern der Teilnehmer, das höchst professionell arrangiert klingt.

 

Gerade noch ging es um Früchteeis, Kirsch´ und Banane, als plötzlich Ulla R., eine der Teilnehmerinnen, impulsiv und mit vollem Körpereinsatz „Ice, Ice, Baby“ rappt. Es war ihr Vorschlag, diesen Refrain mit einzubauen.

Kein Wunder, denn der Chorleiter Christoph Watrin ist ein Vollblutmusiker. Er studiert Musik auf Lehramt, hat unzählige Auftritte bei Events, komponiert seine eigenen Stücke und kennt viele namhafte Musiker. Und wer sich noch an die Boygroup-Ära erinnert, wird in ihm eines der Mitglieder der erfolgreichen „US5“ erkennen. Verändert hat er sich kaum.  Alles begann Ende 2013, als er ehrenamtlich in Michaelshoven tätig wurde. „Ich verbrachte viel Zeit mit den Bewohnern, die im Thomas-Haus leben. Wir sind gemeinsam ins Kindertheater gegangen, haben gemalt und dann irgendwann haben wir auch mal gesungen“, erinnert sich der 27-Jährige zurück. Berührungsängste, weil die Bewohner eine geistige Behinderung haben, hatte er nicht.

Anfang 2014 kam dann die Idee mit dem Chor auf. Christof Watrin startete zunächst mit sieben Teilnehmern aus dem Thomas-Haus. „Es war immer ein Traum von mir, einen Chor zu leiten. Und das hier ist ein riesengroßes Geschenk“, sagt Christoph Watrin. Der erste Auftritt fand schon sechs Monate später bei einem großen Sportevent auf der Kölner Jahnwiese vor dem RheinEnergieStadion statt. Mit dem „Stammbaum“ von den Bläck Fööss erobern sie die Herzen des Publikums. Ein paar weitere Auftritte folgen. Die Anzahl der Chormitglieder wächst und auch das Repertoire. „Wir verbreiten sehr viel Freude bei unseren Auftritten. Es ist nicht wichtig, jeden Ton zu treffen. Aber professionelle Arrangements sind mir als Musiker wichtig“, erklärt Watrin. So werden sie bei den Auftritten von einem Profi-Schlagzeuger und einer Saxofonistin begleitet.

Jeder so wie er ist

Jetzt proben sie für den kommenden Auftritt im September. Neben dem Oh Happy Day-Medley singen sie unter anderem noch „Anita“, „Kölsche Jung“ und „Unser Stammbaum“. Die Vorschläge kommen meist von den Teilnehmern. Die Probe ist sehr lebendig, es wird viel gelacht, sie kabbeln sich gegenseitig und doch fragt keiner nach einer Pause oder verlässt den Raum. Nach jedem geprobten Stück spenden sich die Sänger Beifall, und der Chorleiter gibt ihnen Feedback. Jeder scheint seine Rolle im Chor gefunden zu haben. Wie Christiane R., die sich beim Singen zurückhält, aber das Glockenspiel im perfekten Moment erklingen lässt. „Die Teilnehmer haben sich immens weiterentwickelt. Erst trauten sie sich nicht zu singen. Und als wir dann unseren ersten Auftritt hatten, haben sie alles gegeben und sind aus sich rausgewachsen“, erklärt Christian Watrin, „es ist hier so menschlich, so herzlich, jeder kann so sein und kommen wie er ist“.

Der nächste Song von ABBA steht an: „Thank you for the music“. Christof Watrin erklärt, worum es in dem Song geht. Was wäre dieses Leben ohne Musik, was wären Trauer und Glück ohne Musik, heißt es darin. „Tja, was wäre die Welt denn ohne Musik“, fragt er in die Runde. „Es wäre langweilig“, antwortet Ulla R. direkt.

Singen verbindet

Renate R. ist seit der Gründung dabei. Sie ist sehr textsicher, hört sich abends regelmäßig die Übungs-CD an und beklagt, dass ihr Verlobter kein Interesse am Singen hat. „Als der Christoph das erste Mal hier war, da dachte ich, oh so ein netter junger Mann“, grinst die 54-Jährige. „Der ist echt in Ordnung, wir mögen den sehr gerne und sind zufrieden mit ihm. Den Christoph geben wir nicht mehr weg. Der ist zu wertvoll“, ergänzt sie. Nach anderthalb Stunden ist die Probe zu Ende und alle sehen sehr zufrieden aus. „Singen verbindet. Und wenn wir uns hier verbunden fühlen in der Gemeinschaft, dann sind wir glücklich“, sagt Watrin. Das hört und sieht man den Teilnehmern des Piratenchors an. Na dann: Ahoi und Glück auf.

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